Frischemarkt - ein Stück Heimat auf dem Wurzener Markt

Wie wir bereits im Vorfeld deutlich gemacht haben, begrüßen wir die Frischemarktoffensive auf dem Wurzener Markt sehr. Nun haben wir uns am 05. September 2014 bei hochsommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein mit persönlichen Vor-Ort Gesprächen ein Bild über die aktuelle Situation machen können.

Plakat für den Wurzener Frischemarkt

Auf den ersten Blick ...

ist das Angebot auf dem Markt überschaubar, dennoch breit gefächert und nicht unbedingt alltäglich.

Frische Schnittblumen; Fisch in allen Variationen; gebratene Hähnchen, frische Bratwürste mit unbeschreiblich vielen Soßen und Obst, Gemüse, sowie Eier, Milch und Käse aus Polen. Ein Bäckerwagen und ein Fleischer würden das Angebot sicher komplettieren, dieser Meinung sind auch die Standbetreiber vor Ort.

„Die Anfangszeit ist niemals einfach, es braucht Zeit Durchhaltevermögen bis sich ein Markt etabliert hat.“ So die durchaus hoffnungsvolle Aussage vom „Rostermann“ Wolfgang Kutsche. „Der Platz neben dem Ringelnatzbrunnen ist schön und auch auf meinem bisherigen Stammplatz vor dem Kaufland war es nicht von Anfang an erfolgreich“ so Kutsche, der seine Kunden jetzt jeden Freitag von 06:00 – 20:00 Uhr neben den leckeren Bratwürsten auch mit importieren Soßen aus aller Welt überrascht.

Leckeres vom Hänchengrill gibt’s gleich nebenan bei Frau Mühlner. Bisher stand Sie freitags immer in Leipzig, leider war der Weg aus Sprotta nicht immer so rentabel. Aus diesem Grund fiel ihr die Entscheidung nicht schwer, dem Aufruf von Hr. Leischnig zu folgen. Sie bleibt dran und kennt die Startschwierigkeiten von neuen Märkten aus Erfahrung: „Meist sind es 2 Monate, danach sind die ersten Startschwierigkeiten überwunden und die Bürger haben das Angebot kennengelernt.“

 "Das Risiko ist einfach zu hoch!"

Zwischenzeitlich packt der Betreiber des Blumenhandel Flegl aus Oschatz seine Blümchen wieder ein. Seit nunmehr 21 Jahren kommt er zum Wurzener Mittwochsmarkt und der Umsatz läuft, aber das Angebot wird zum Freitag überhaupt nicht angenommen. Bisher stand er freitags immer auf dem Markt in Bad Schmiedeberg und dahin geht’s ab sofort wieder zurück. „Zu groß sind unsere Verluste, wenn wir weiterhin hier stehen bleiben. Wir müssen die Angestellten bezahlten, im Notfall muss die Ware ersetzt werden, das Risiko ist einfach zu hoch.“

Gleich nebenan erkundigt sich eine Kundin bei Frau Kühn im Fischwagen, wo man Sie die Woche über findet: mittwochs und freitags gibt’s Fisch auf dem Markt, Dienstag und Donnerstag gleich am Autohaus Linke, direkt gegenüber vom Kaufland. Einfach ist es nicht, auch wenn Sie jetzt nur wenige Meter vom alten Stammplatz entfernt ist.

Auch die Öffnungszeiten hat Familie Kühn angepasst, von 8:00 – 15:00 Uhr steht Sie ihren Kunden zur Verfügung. Auf die Nachfrage hin, ob Sie auch länger zur Verfügung stehen könnte schmunzelt Sie: selbst zum Wochenmarkt mittwochs wird der Hauptumsatz bis Mittag gemacht, was bis dahin nicht drin ist kommt auch nachmittags nicht mehr rein. „Wir müssten noch eine weitere Kraft einstellen, aber dafür ist der Umsatz längst nicht ausreichend.“

Wie es jetzt weitergeht mit dem Frischmarkt? „Die Kunden haben es in der Hand. Ohne den entsprechenden Zulauf müssen die Händler früher oder später einpacken…“

Aber Sie hat auch gute Nachrichten: „Es soll ein Bäckerwagen kommen, dann haben wir schon einen großen Teil des täglichen Bedarfs an frischen und regionalen Lebensmitteln an einer zentralen Stelle.

Das Angebot aus Polen wird leider auch schon wieder gegen 14:00 Uhr abgebaut. Zu wenig Kunden tummeln sich zu der Zeit noch auf dem Markt. Dafür steht den Betreibern jetzt noch eine lange Fahr zurück nach Polen bevor. Kunden locken Sie mit einer Rabattkarte für Stammkunden, bei der jeder 11. Einkauf besonders günstig ist.

Eine Kundin erwischt noch Äpfel,

bevor Sie wieder im Transporter verschwinden. Sie freut sich über das Angebot und zeigt die vollen Tüten. Leider ist es Zufall, dass Sie es diese Woche so zeitig auf den Wochenmarkt geschafft hat. Für gewöhnlich schafft Sie es nicht vor 18:00 Uhr einkaufen zu gehen, doch dann kann Sie leider nur noch auf das Discounterangebot zurück greifen.

Dieser Meinung ist auch Jeanette Drechsel aus Wurzen. Als berufstätige Mama von 2 Kindern schafft Sie es am Vormittag nicht auf den Markt, aber Sie schätzt die Möglichkeit sehr, dass es nun freitags so ein Angebot an frischen regionalen Produkten gibt. „Ein bisschen mehr Auswahl wäre schön, es fehlen Molkereiprodukte, Honig und so weiter aus der Region. Aber das braucht noch Zeit und ich würde mich freuen, wenn sich der Markt etablieren würde. Ich komme gern her.“

Grundsätzlich fehlt es an der Werbung, so der Tenor aller Händler. Ein paar Plakate hängen zwar, aber das reicht längst nicht aus. Außerdem sind die Öffnungszeiten auf den Plakaten irreführend, denn die meisten Händler sind länger als 13:oo Uhr anwesend und ärgern sich darüber.

Dennoch ist das Gelingen des Wochenmarktes ein Geben und Nehmen: die Händler müssen Ausdauer beweisen, obwohl es Sie in keinem Fall einfach haben. Aber auch die Bürger müssen informiert werden und die Chance nutzen, damit sich der Markt schnell einlebt. Ein anderes Erlebnis als der Wochenmarkt steht er in allen Fällen da, davon profitiert auch unsere Innenstadt.

Wir würden uns freuen, wenn in dieser Sache weiterhin alle an einem Strang ziehen und auch noch weitere Händler den Weg zu uns finden.

 

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