Klaus statt K-Classic

Als kurz nach der Wende die großen Discounter natürlich auch in Wurzen ungebremst Einzug hielten, waren wir armen Neu-BRDler natürlich verzaubert (oder benebelt?), ob des unerschöpflichen (Über-) Angebots der großen Supermarktketten. Wobei das Wort „Markt“ in dieser Wortschöpfung ja bereits irreführend ist, assoziiere ich doch einen Marktbesuch mit etwas Erlebbaren, mit netten Gesprächen und der Pflege sozialer Kontakte.

In der noch grauen Stadt Wurzen ...

verschandelten findige Kaufleute dazumal das notdürftig hingezimmerte „FABI“-Zelt das ehem. Sputnikzentrum an der Rosa-Luxemburg-Promenade, dann musste der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportplatz im Wurzener Norden dem „Kaufland-Riesen“ weichen, welcher seither eine wahre Goldgrube zu sein scheint, im Verhältnis zu den D-Mark bzw. mittlerweile Euros, welche ihren Weg in die Geschäfte in der Wurzener Innenstadt finden bzw. fanden.

In den Folgejahren versuchten immer mehr „Geiz-ist-Geil-Hauptsache-Billig-Tempel“ den Wurzenern das Einkaufen zu versüßen. Seien es „Minimal“ in der Marienstraße, ALDI, Netto und Co. an der B6 oder zuletzt das sich „perfekt in die Wurzener Bausubstanz einfügende LIDL-Bauwerk“(?) an der Zimmermannskreuzung.

Ein Hoch auf den Hochglanz-Werbungs-Sonntag

Geblendet von den Werbestrategen und der immer größer werdenden Flut der bunten Einkaufsofferten der Discounter im heimischen Briefkasten sowie der medialen Beeinflussung unserer Bedürfnispyramide strömt nun tagtäglich der Ottonormal-Wurzener blindlings in die bunten Discounter und ist froh, abends um neun seinen Einkaufswagen vollhauen zu können voller „Sachen die das Leben schöner machen“, ganz im Sinne der Werbebotschaft/en.

Die Kaufland-Führung im 350km entfernten, baden-württembergischen Neckarsulm ist sicherlich erfreut, über die seit ´92 bestehende Vormachtstellung im Wurzener Terrain, trifft sich im Kauf-Schlaraffen-land doch ganz Wurzen. Wenn schon nicht, wie früher in der Stadt, zumindest für einen kurzen Plausch zwischen Discount-Backstrecke und eingeschweißter Cervelatwurst.

Hauptsache alles schön billig.

Billig kann nicht gleich regional, saisonal, biologisch!

Doch längst ist der Kreis derer, die den vermeintlichen Schnäppchen aus den bunten Prospekten, und der Tatsache der immer weiter aussterbenden Innenstädte, nicht länger auf den Leim gehen wollen, rasant anwachsend.

Dank sozialer Netzwerke und alternativer Informationsquellen in den Weiten des  www’ sind  vor allem den jungen Menschen im Wurzener Land Schlagworte wie Regional, Saisonal, Biologisch wertvoll etc. nicht mehr fremd. Man möchte zunehmend heimischer, tranparenter, bewusster einkaufen, anstatt den oftmals überzogenen, ungesunden Werbebotschaften blind zu folgen. Ich hoffe, dass dieses neue, alte Bewusstsein auch in der Stadt Wurzen zunehmend selbstverständlich und alltäglich bei einem Großteil der Bevölkerung wird!

Bei all´  den Großkonzernen ist dieser Trend natürlich nicht unbemerkt geblieben, wobei es auch den letzten Blind-Konsumenten nicht verwundern muss, dass die Kaufland-Kette mit mehr als 5 Mrd. Jahresumsatz(!) und über 1.100 SB-Discountern, nach 22 Jahren auch ein paar Euro in ansprechendere und modernere Aufmachung steckt, will sie doch in erster Linie nur eins: „Unser Bestes“.

Fahrende Händler? - interessiert uns nicht...

Bei dieser Größenordnung ist es natürlich auch nicht verwunderlich, dass sich die von Wurzen weit entfernte Kaufland-Zentrale nicht die Bohne um die fahrenden Händler aus der Region(!), die bisher eh mehr schlecht als recht geduldet wurden, interessiert.

Umso  erfreulicher nun die Offerte des Wurzener Marktmeisters Utz Leischnig, die ich sehr begrüße. Leischnig holt die fahrenden Händler auf den Markt und bietet (nicht nur) der arbeitenden Bevölkerung einen weiteren Frischemarkt am Freitag Nachmittag an und lockt -so die Hoffnung!- die Wurzener wieder in die nicht selten verwaiste Innenstadt. Die wenigen übrig gebliebenen Innenstadthändler, die sich dem nahen Paunsdorf-Center und ähnlicher Konkurrenz in der nahen großen Stadt behaupten konnten, wird´s freuen...

Bleibt nur zu hoffen, dass Leischnigs Offerte auch bei der Wurzener Bevölkerung, auch ohne frei Haus kommende bunte Werbeflut, ankommt und sich in den kommenden Monaten etabliert.?

Ich wünsche es uns!

Thomas Zittier

 

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