Kleingartenentwicklungskonzept - Es grünt so grün, wenn Wurzens Blumen blühen?!

17 Kleingartenanlagen mit insgesamt ca. 2100 Gärten bilden aktuell den IST-Stand in unserer Stadt und unseren Ortsteilen. Ungefähr 500 dieser Gärten werden aktuell nicht verpachtet und bleiben verwaist, die einzelnen Vereine bleiben auf den Kosten und dem Arbeitsaufwand für die Bewirtschaftung sitzen. Schuldzuweisungen kann man nicht treffen: die Prioritäten und Wertvorstellungen der Folgegenerationen haben sich schlichtweg verschoben. Geburtenrückgänge und Wegzüge haben die Zahl der Einwohner drastisch verringert, bei der älteren Bevölkerung ist eine relative Zunahme zu verzeichnen und die geänderten Freizeitgewohnheiten der jüngeren Einwohner ensprechen nicht mehr den Rahmenbedingungen einer Kleingartenanlage.

Von damals zu heute, an Morgen wollen wir noch gar nicht denken

Auch wenn die Geschichte der "Schrebergärten" seine Anfänge vor rund 200 Jahren gefunden hat, so konnte in den vergangenen Jahren nur noch ein steter Rückgang der Nachfrage verzeichnet werden. Während der Kriegszeiten oder der Mangelwirtschaft der DDR hatte ein Kleingarten eine existenzielle Beduetung für Familien in unserer Stadt. Ob zum Anbau von Obst und Gemüse, sowie zur Gesunderhaltung und Ertüchtigung während der Freizeit, der Kleingarten stellte für viele Bürger einen Dreh- und Angelpunkt dar.

Mittlerweile gibt es ein Überangebot von Freizeitmöglichkeiten und in den Supermärkten verschiedenste Lebensmittel, die man ungeachtet der Saison, nahezu 365 Tage im Jahr erstehen kann. "Warum also noch ein Stück Land pachten, welches dann zwingend nach den Richtlinien des Bundeskleingartengesetzes bewirtschaftet werden muss?" denken sich wohl zu viele der jüngeren Bürger. Aber sogenannte "Freizeit- und Erholungsgärten" sind mit einem bis zu 30-fachen Pachtaufkommen für die wenigstens erschwinglich. Aber auch fehlende Parkflächen, veraltete Strom- und Wasserversorgung oder fehlende Spielflächen sind ausschlaggebend für die mangelnde Nachfrage.

Mittlerweile besinnen sich jedoch mehr und mehr Mitbürger wieder auf gesunde Lebensweisen, sodass der Anbau eigener Lebensmittel und die Beschäftigung an der frischen Luft nicht nur einen neuen Stellenwert genießen, sondern auch dem Negativtrend der Nachfragen wieder etwas entgegenwirken. Man kann also festhalten, dass die Kleingärten weiterhin ein wichtiger Bestandteil für unsere Stadt und ihre Bürger sein werden. Um die Vereine jedoch für die Zukunft stark zu machen, benötigt es nun ein Konzept, dass sich an den Bedürfnissen der Stadt und der Verein orientiert, die Nachfrage abbildet und gleichzeitig sinnvoll mit den vorhandenen Ressourcen umgeht.

gesucht wird: die eierlegende Wollmilchsau

Der Ist-Bestand ist nun abgezeichnet, jetzt sollte sich ja fix ein Plan finden lassen. Leider ist das nicht so einfach, denn jede Gartensparte hat andere Bedürfnisse und gesonderte Nutzungsverhältnisse. Während in der einen Gartensparte zusammenhängende Parzellen verwaist sind, können andere Gartensparten nur über vereinzelte freie Flächen klagen. Die leeren Bereiche der Sparten befinden sich dann bestenfalls auch noch mitten im Herzen großer Anlagen, sodass eine Umnutzung fast unmöglich wird, während in der nächsten Reihe nur noch zwei bewirtschaftete Gärten unter dem Wildwuchs in den freien Parzellen leiden. Und da der Garten schon seit Jahrzehnten in Familienbesitz ist und ein Umzug in eine andere "Datsche" nicht in Frage kommt, kommen auch große leerstehende Teile einer Gartensparte zur Umnutzung nicht zwingend in Betracht.

Weiterhin gilt es natürlich auch den Bedarf in Hinblick auf die Stadtentwicklung zu beobachten: Wohin entwickelt sich die Stadt? Welchen Bedarf gibt es an Bauland oder Freiflächen. Wo muss eine Umnutzung aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen werden und wo ist sie schlichtweg nicht sinnvoll?

Dazu kommen, und das ist nicht unterschätzen, die emotionalen Befindlichkeiten: viele Gartensparten blicken auf Jahrzente der Vereinsgeschichte zurück; der Schrebergarten ist seit Generationen ein fester Bestandteil des Familienlebens und es ist und bleibt gundsätzlich eine Frage der Überzeugung, für was man fruchtbaren Boden umnutzt oder eventuell sogar versiegelt.

Viele Köche verderben den Brei -  Ertränken dann viele Gärtner das Pflänzchen?

Jetzt ist der aktuelle Stand der Dinge so, dass alle Beteiligten nur das Beste wollen, aber gefühlt jeder in eine andere Richtung läuft. Der Regionalverband "Muldental" der Kleingärtner e.V. hat der Stadtverwaltung und den Faktionen des Stadtrates am 29.08.2016 in einer öffentlichen Sitzung den ersten Entwurf eines Kleingartenentwicklungskonzeptes vorgestellt. Darin sind 9 Kleingartensparten teilweise oder gänzlich von einer Freilenkung betroffen. Jedoch wurden diese Planungsvorschläge, nach Aussage des Regionalverbandes, ohne das Wissen der Vereinsvorstände der Gartensparten eingepflegt.

Weiterhin hat die Stadtverwaltung die vorgeschlagenen Flächen bereits auf ihre Nutzbarkeit und Bedarf hin analysiert und ist dabei zu einer deutlichen Bedarfsabweichung gekommen. Aus diesen Erkenntnissen entwickelt die Stadtverwaltung weiterhin einen Vorschlag, wie mit diesen Kleingartenflächen städtebaulich ungegangen werden kann. Dabei orientierte man sich an dem Bedarf an künftigen Bauflächen, andererseits formuliert er aber auch Gedanken für eine städtebaulich verträgliche Nutzung an Stellen, an denen kein Bedarf an Bauflächen erkennbar ist.

Pläne vs. Realität

Jedoch lebt eine solche Bedarfsplanung: Was ist mit einer neuen Grundschule in Wurzen? Der Ausschuss dazu verfolgt drei verschiedene Varianten, eine davon betrifft auch einen Großteil einer Gartensparte der Stadt. Und nicht zuletzt ist ein Rückbau der jetzigen Gartensparten und die Herrichtung als Bauland mit einem großen Teil an finanziellen Mitteln verbunden, die ebenfalls im Haushalt der Stadt eingeplant werden müssen. Und das ist in Zeiten knapper Kassen und Haushaltskonsolidierungen ebenfalls nicht von der Hand zu weisen.

Und wenn man den Ausführungen des Präsidenten des Landesverband Sachsen der Kleingärtner e.V. Peter Paschke folgt, so gilt: "Im Rahmen der Erarbeitung eines Kleingartenentwicklungsplanes ist die frühzeitige Beteiligung der Vertreter aus Politik (Stadtrat, Kleingartenbeirat), Verwaltung und den Kleingärtnern (Verbänder / Vereine) erfolderlich, um eventuelle Interessenkonflikte frühzeitig ausräumen und ein von allen getragenes Konzept entwickeln zu können.

Hand in Hand zum Ziel

Folgen wir als Stadträte und berufene Bürger nun den Veröffentlichungen der einzelnen Parteien und besonders das darauf folgende Echo, dann stellt sich uns schon die Frage, inwieweit die bisherigen Konzepte abgestimmt worden sind. Da trudeln persönliche Briefe im Fraktionssitz ein, Lesermeinungen werden in der aktuellen Tageszeitung abgedruckt und einzelne Vereine bereiten sogar einen Austritt aus dem Regionalverband vor. Weiterhin muss sich auch unsere Fraktion durch einen offenen Brief des Regionalverband "Muldental" der Kleingärtner e.V. vom 25.11.2016 vorwerfen lassen "in der Wurzener Kommunalpolitik lässt sich eine gewisse Gleichgültigkeit zum Kleingartenwesen nicht leugnen". Nicht zuletzt wird im Schreiben angemerkt, dass unsere Fraktionsvorsitzene Sabrina Ryborsch geäußert hat, einen entsprechend lautenden Antrag in den Stadtrat einzubringen.

Ein solches Vorgehen ist auch die Regel und diesen Prozess hat sie umrissen. Natürlich sind wir nur zu gern dazu bereit, einen entsprechenden Antrag zu stellen, doch dazu benötigt man ausreichende und vor allem fundierte Informationen. In Anbetracht der Menge des Feedbacks zu diesem Thema sind wir innerhalb unserer Fraktion darüber überein gekommen, dass alle Absprachen bis auf Weiteres gemeinsam mit den Fraktionsvorsitzenden und dem Oberbürgermeister ausschließlich im Ältestenrat getroffen werden. Dort hat Frau Ryborsch stellvertretend für unsere Fraktion weiterhin darum gebeten, den aktuellen Bearbeitungsstand innerhalb der Stadtverwaltung zum Thema Kleingartenentwicklungskonzept im Ältestensrat vorzustellen und eine entsprechende Presseinformation für die Öffentlichkeit vorzubereiten, welche letztlich am 17.01.2017 veröffentlicht wurde:  Stadt äußert sich zum Kleingartenentwicklungskonzept

Fazit

Keiner ist untätig. Wir tauschen uns bereits fraktionsübergreifend zu diesem Thema aus und werden zu gegebener Zeit auch die entsprechenden Abstimmungen in den zuständigen Ausschüssen sowie im Stadtrat forcieren. Jedoch nicht, ohne auch eine entsprechende Stellungnahme der betroffenen Kleingartenvereine gehört zu haben, die bei der bisheringen Konzeption scheinbar vollkommen Außen vor gewesen zu sein scheinen.

Bis dahin stehen wir gern allen interessierten Kleingärtnern, Vereinsvorständen oder Anderen über die bekannten Kontaktdaten zur Verfügung.

 

Quellen:
Kleingartenentwicklungskonzept für die große Kreisstadt Wurzen (erstellt durch RV "Muldental" der Kleingärtner e.V. vom 18.08.2016)
Die Zukunft unserer Kleingartenanlagen (Stadtverwaltung Wurzen, SB Stadtplanung vom 26.07.2016)
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